WGS beim Multiplen Myelom
Zusätzliche Informationen durch WGS im Vergleich zu FISH beim Multiplen Myelom
Kooperation Universitätsklinikum Würzburg und MLL Münchner Leukämielabor
Hintergrund
FISH ist der Gold-Standard für die genetische Charakterisierung und Risikostratifizierung bei multiplen Myelomen (MM). Das Potenzial der Sequenzierung ganzer Genome (whole genome sequencing, WGS) neue Erkenntnisse über die Genetik von Myelomzellen zu gewinnen, haben retrospektive Studien bereits eindrücklich gezeigt. Im Hinblick auf eine klinische Anwendung genomweiter Analysen wurden im Rahmen einer prospektiven Studie sowohl bei Patienten mit neu diagnostiziertem MM (n = 30) als auch bei Patienten mit rezidiviertem/refraktärem MM (n = 70) FISH und WGS parallel durchgeführt.
Ergebnisse
Erkenntnisgewinn über zusätzliche genetische Veränderungen
Mittels WGS bei 97/100 Patienten zusätzliche strukturelle Veränderungen und Kopienzahlveränderungen identifiziert.
Identifikation von seltenen Translokationspartnern
Partnergene sehr seltener IGH Translokationen konnten via WGS bei elf Patienten identifiziert werden (z.B. IRF1, IRF4, ZBTB38, ZFP36L1).
Detektion von Rearrangements mit heterogenen Bruchpunkten
95 % (40/42) der MYC Rearrangements konnten mit WGS detektiert werden vs. 57 % (24/42), die via FISH nachgewiesen werden konnten.
Nachweis komplexer genetischer Veränderungen
Es wurden komplexe Veränderungen betreffend 17p identifiziert, die mit del(17p) (TP53 Deletion) einhergehen, während del(17p) via FISH nicht nachweisbar war.
in 97% zusätzliche genetische Information
Screening für therapeutisch relevante Veränderungen
Für BRAF Inhibitoren relevante BRAF V600E Mutation wurde bei fünf Patienten nachgewiesen.
Mit Resistenz gegenüber immunmodulierenden Substanzen assoziierte CRBN Mutationen wurde bei drei Patienten nachgewiesen.
Detektion biallelischer Veränderungen
Bei 15 Patienten wurde die del(17p) zusammen mit einer TP53 Mutation nachgewiesen, was zu einer sehr ungünstige Prognose führt.
Der Verlust des therapeutischen Targets BCMA (TNFRSF17) durch eine homozygote del(16p) wurde bei zwei Patienten nach Therapie mit auf BCMA-gerichteten CAR T-Zellen bzw. bispezifischen Antikörpern detektiert (erworbene Resistenz).
therapie-relevant
BCMA Verlust